Impulse , Best Practice

Ars Electronica Spaxels - Wenn aus Forschung Kunst wird

Spaxels Testflights for Rock in Rio 2017

Oberösterreich ist nicht nur eine wunderbare Destination mit attraktive Städten, Bergwelten, Seen und Flüssen, sondern auch ein dynamischer Wirtschaftsraum, der alles hat, was man auch sonst in der Alpenrepublik findet. Wir berichteten bereits hier davon.

Ein Beispiel für die Innovationskraft Oberösterreichs ist das Ars Electronic Center (AEC), eine Einrichtung, wie sie sonst weltweit nicht mehr vorkommt. Hier ist in den vergangenen Jahrzehnten etwas entstanden, das weit über die Grenzen Österreichs hinausstrahlt. Es sind Forschung, deren Ergebnisse und Kunst miteinander vereint. Und daraus entstehen permanent Ideen, deren Verwirklichung staunen lässt. Um ein wenig Einblick zu gestatten, stand uns Chris Bruckmayr, Mitglied der Ars Electronica SPAXELS® und Sound Artist für ein Gespräch zur Verfügung.

Ein Beispiel für die Innovationskraft der Region ist die Ars Electronica in Linz. Hier gehen Kunst, Technologie und Soziologie eine Symbiose ein. Wie ist eigentlich die Idee hierzu entstanden. Und wer waren die Leute, die das dann aus der Taufe hoben?

Chris Bruckmayr: Wenn Eisen und Stahl die Rohmaterialien des 20. Jahrhunderts waren, was würde wohl das Rohmaterial des 21. Jahrhunderts werden? Das war die Frage, die sich Hannes Leopoldseder - er war damals Intendant des ORF OÖ - und der Musiker Hubert Bognermayr vor jetzt bald 40 Jahren stellten. Ihre Antwort: Die Informationstechnologien und der Computer. Gemeinsam mit der Stadt Linz hat Hannes Leopoldseder 1979 dann zwei neue Kulturformate aus der Taufe gehoben, die sich dieser Thematik auf unterschiedliche Weise widmen sollten: die Klangwolke und das Ars Electronica Festival. Bis dahin, also bis 1979, waren Computer vor allem Großrechenanlagen, die nur Expertinnen und Experten zugänglich waren. Solche Gerät bzw. den ebenfalls 1979 erfundenen Personalcomputer zum Thema eines Festivals zu machen, war deshalb eine absolute Pionierleistung. Die Entscheidungsträger, Ideenbringer und Mitglieder der zahlreichen Diskussionsrunden über den Inhalt dieser neuen Ars Electronica und der Klangwolke waren Hannes Leopoldseder, Intendant des Landesstudio OÖ., Horst Stadlmayr und Ernst Kubin als Vorstandsdirektoren der LIVA - Linzer VeranstaltungsGmbH, Hubert Bognermayr und Ulli A. Rützel, Herbert W. Franke und Walter Haupt.

Die Ars Electronica ist auch so etwas wie ein Museum, wie andere künftig sein sollen, gleichzeitig eine Plattform für Interaktion und Forum für Wettbewerbe, wie finanziert sich so etwas?

Chris Bruckmayr: Es stimmt, dass Ars Electronica ein Museum - das Linzer Ars Electronica Center - betreibt, das jährlich von rund 170.000 Menschen besucht wird. Darüber hinaus umfasst Ars Electronica aber eine Reihe weiterer Bereiche: eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, eine, die maßgeschneiderte Produktlösung für die Wirtschaft entwickelt, das jeden September ausgerichtete Ars Electronica Festival, den jährlich ausgeschriebenen Prix Ars Electronica, den Bereich EXPORT, der Ausstellungen für Partner und Auftraggeber in der ganzen Welt konzipiert und anderes mehr. Finanziert wird diese Bandbreite an Aktivitäten durch Einnahmen aus dem Projektgeschäft, geförderten Forschungsprojekten, Eintrittserlösen, Sponsoring sowie durch eine Basisfinanzierung durch die Stadt Linz und das Land Oberösterreich. 
 

In diesem Jahr steht nun etwas Besonderes an. Die "Ars Electronica Spaxels" reisen nach Rio de Janeiro, um hier an einem der großen weltweiten Musikfestvals teilzunehmen, das in der Zeit vom 15. Bis 24. September unter dem Zuckerhut stattfindet. Bei einem Probelauf stieg kürzlich die illuminierte Drohnenschar in den Abendhimmel von Linz, so wie es demnächst in Rio sein wird, begleitet von 60 Musikern des Symphonieorchesters der Bruckner Privatuni. Wie geht das dann in Rio, nehmen Sie die Musiker mit?

Chris Bruckmayr: Wir würden natürlich gerne das gesamte Orchester nach Rio de Janeiro mitnehmen, aber aus Kostengründen ist das leider nicht möglich. Daher wird das im Studio der Anton Bruckner Privatuniversität eingespielte und abgemischte Musikstück für die Rock in Rio SPAXELS® Performance (das Rock in Rio Anthem 2017) über die gewaltige Soundanlage der Hauptbühne abgespielt. Damit sind Druck und Klangqualität für ein grosses Publikum garantiert. 


©SPAXELS® goes Rock in Rio 2017 - Video Teaserby Ars Electronica

Die Spaxels und ihre Anwendung sind ein Beispiel für die Innovationskraft und wie Ars Elecronica die Zukunft mitgestaltet, wobei die Übergänge zu den einzelnen Disziplinen fließend sind, und auch die Bildende Kunst mit einbezogen wird. Ist so etwas exportfähig und wenn ja, wo und wie könnten Partnerschaften angebahnt werden?

Chris Bruckmayr: Die Ars Electronica SPAXELS® sind seit 2012 international mit ihren Drone Light Shows auf Großveranstaltungen unterwegs. Es ist quasi ein Medienkunstprojekt, das zu einem kommerziellen Erfolg geworden ist. Die Ars Electronica arbeitet generell seit vielen Jahren mit Partnern aus der Industrie und Wirtschaft zusammen und verwendet für diese Kunden künstlerische Methoden und moderne Technologien, um neue Zugänge zur Aussen- und Innenkommunikation der Unternehmen zu ermöglichen. Das können Installationen, Performances, neue Interfaces oder auch Symposien zu Zukunftsthemen sein.  

Durch das Gespräch führte Philipp Maas.

Fotos: Spaxels Testflights for Rock in Rio 2017 / Credit: Ars Electronica / Robert Bauernhansl und Martin Hieslmair