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She means Business – Muss das sein?

Am 14. Mai 2018 startet im Rahmen der IMEX die erste "She means Business"-Konferenz. Seit knapp einer Woche ist das Programm öffentlich und das Ziel der Veranstaltung klingt vielversprechend: "Eine innovative Konferenz für (weibliche und männliche) Meeting- und Event-Strategen, mit inspirierenden Beiträgen zu den Herausforderungen von Frauen in der Meeting-Branche (...)" (IMEX, 2018)

Doch brauch die Eventbranche solch eine offizielle Diskussion überhaupt?

Gläserne Decke, Gender Pay Gap, Neue Mütter & Super Daddies - Alles hausgemachte Probleme auf Grund der permanenten Qual der Wahl oder ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich dann natürlich auch in die Veranstaltungsbranche zieht.

Das sagen die Hardfacts:


(Screenshot, Umfrage "Frauen in der Eventbranche, tw tagungswirtschaft 2017)

Gleiche Behandlung? Ein klares Nein vor allem in den Bereichen Gehalt und Karriereperspektiven. Das größte Hindernis sehen viele Frauen in ihrem fehlenden Selbstwertgefühl und in der der Unterbrechung der Berufstätigkeit wegen Mutterschaftsurlaub (Hier geht's zur Umfrage "Frauen in der Eventbranche", tw, 2017).

Sind wir Frauen nicht selbst Schuld an diesem Dilemma?

Um diese Frage zu beantworten, wagen wir einen nicht empirisch gesicherten Blick von Doreen Biskup, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, VDVO e.V. auf das Thema:

Ich musste lange überlegen, ob eine Konferenz bzw. überhaupt eine Diskussion zu dem Thema Sinn macht. Auch männliche wie weibliche Personen, die ich zu diesem Thema befragte, neigten eher zu "Nein, auf keinen Fall" als zu "Ja, diese Diskussion ist längst überfällig." Eine Sache stimmte mich aber nachdenklich:

Vor ein paar Jahren sagte ein männlicher Teilnehmer einer meiner Seminare 'Wir (Frauen) sollen uns nicht so anstellen. Wir seien selber Schuld, wenn wir weniger verdienen und im Nachteil bei Beförderungen seien. Frauen hätten einfach keine Lobby.'

Nun muss ich nicht erwähnen, dass alle Frauen im Raum kurz vor der Schnapp-Atmung standen.
ABER. Bedingt, ohne eine ewig lange Argumentationskette herzuleiten, muss ich sagen. "Ja. Er hat recht."

Frauen haben keine Lobby.

Wir Frauen sind einfach nicht laut genug. Wir zerreißen uns eher gegenseitig als Netzwerke zu bilden und die Energie auf die Sache zu lenken. Vereinbarkeit von Kind und Karriere? Wie - Wenn Frauen in Bezug auf Kind-Karriere die stärksten Kritiker untereinander sind?

Allein die Entscheidung Kind und Karriere, NUR Kind oder NUR Karriere ist eine Entscheidung, bei der jede und meist auch jeder gefragt oder ungefragt Feedback gibt:

  • Frauen mit Kind(ern), die nicht arbeiten = FAUL
  • Frauen mit Kind(ern), die arbeiten = Rabenmutter
  • Frauen ohne Kind(er) = Unzufrieden

Sollte nicht Jede(r) für sich entscheiden, was am besten passt?

Like, Comment, Share - es fehlt die Gesprächskultur.

Sogar die Entscheidung einer Mutter, ob Sie mit Ihrem weinenden Kind einen Acht-Stunden Flug antritt, wird in den Sozialen Medien zerrissen. Jeder hat plötzlich eine Meinung. 1056 Kommentare, 802 Likes wovon knapp ein Viertel aus "Wut Smileys" bestand. (Hier gehts zum Post: https://www.facebook.com/spiegelonline/videos/10156444439739869/)

Und selbst von eigentlich geschätzten Vertretern unserer Branche wird der Beitrag in der Weise kommentiert, als das man sich fragt, in welchem Jahrhundert die Herren sich befinden. Von HipsterMamas und Papas ist die Rede - auf Basis welcher Logik?

Mein ganz persönlicher Kommentar zu diesem Thema:

Meine beiden Kinder reisen seit sie vier Monate alt sind mit dem Flugzeug. Der Hintergrund ist nicht immer nur privat, sondern auch oft beruflich. Und JA, auch meine Tochter hat einmal zwei Stunden lang im Flieger geweint. Nicht weil sie nicht erzogen ist, sondern weil es ihr schlecht ging. Müssen meine Kinder mit auf meine Dienstreisen kommen? Nein, sicherlich nicht. Aber es ist eine Entscheidung, die wir in der Familie gemeinsam so getroffen haben, damit

  1. Ich bestimmte Jobs machen kann.
  2. Wir nicht über mehrere Wochen getrennt sind.
  3. Und weil, ich es gern so möchte.

Was hat das mit Gleichberechtigung im Business zu tun?

Wenn in vermeintlich "privaten" Netzwerken in der Art kommentiert wird, zieht sich das wie selbstverständlich ins Berufsleben. Der Mensch agiert und reagiert zu 50 Prozent auf Basis seiner Sozialisation und Kultur. Wenn also Rollenbilder und gesellschaftliche Normen eher klassisch und konservativ sind, wird sich das auch im Business wiederspiegeln und Frauen kommen, wenn überhaupt, natürlich nur mit erheblicher Anstrengung durch die gläserne Decke. Sind Frauen also allein Schuld? Nein, sicher nicht.

Vielmehr treffen in uns verankerte Rollenbilder und Muster auf eine "Like-Comment-Share-Gesprächskultur" und so entsteht folgendes Problem: Wir reden nur allzu oft übereinander als miteinander. Denn Like, Comment, Share ist natürlich viel einfacher, als sich konstruktiv mit dem Gegenüber und damit mit dem Sachverhalt auseinander zu setzen.

Und genau deswegen, brauchen wir eine "She means Business-Konferenz". Um miteinander zu reden, Grenzen aufzubrechen oder auch einfach sichtbar zu machen, um voneinander zu lernen und um aufzuzeigen, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern eine Vielzahl von Möglichkeiten, die jeder anders ausgestalten kann. Wenn wir schon über Vereinbarkeit sprechen, dann doch bitte auf Augenhöhe, wertungsfrei und im Idealfall unter Kenntnis aller Informationen.

Weitere Informationen zur "She means Business" Konferenz erhalten Mitglieder des VDVO zusammen mit ihrer persönlichen Einladung ab Mitte März.