Nationale Tourismusstrategie greift zu kurz: Veranstaltungswirtschaft als Rückgrat des Tourismus muss mitgedacht werden
Der Verband der Veranstaltungsorganisatoren e. V. (VDVO) begrüßt ausdrücklich, dass die Bundesregierung mit dem Entwurf einer Nationalen Tourismusstrategie die Bedeutung der Tourismuswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland unterstreicht. Zugleich kritisiert der VDVO jedoch, dass ein zentraler Pfeiler der Branche in der Strategie weitgehend ausgeblendet bleibt: die Veranstaltungswirtschaft – insbesondere die B2B-orientierte MICE-Branche (Meetings, Incentives, Congresses, Events).
„Geschäftsreisen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie finden statt, weil es einen Anlass gibt – und dieser Anlass ist in aller Regel eine Veranstaltung“, erklärt Björn Sänger, Vorstandsvorsitzender desVDVO. „Wer über Geschäftsreisen spricht, ohne die Veranstaltungswirtschaft systematisch mitzudenken, verkennt die tatsächlichen Wertschöpfungsketten im Tourismus.“
Zwar verweist die Strategie auf die internationale Bedeutung des Messestandorts Deutschland, doch bleibt sie bei Messen stehen. Kongresse, Unternehmensveranstaltungen, Verbandstagungen, Incentive-Formate und Corporate Events – also genau jene Formate, die ganzjährig, planbar und mit hoher wirtschaftlicher Wirkung stattfinden – werden nicht als eigenständiger strategischer Bereich adressiert.
Dabei ist die Bedeutung offensichtlich: Gerade in Städten sichern MICE-Veranstaltungen die Auslastung von Hotels, Gastronomie, Mobilität und Dienstleistern unter der Woche. Ohne die Veranstaltungswirtschaft wäre der Städtetourismus stark auf Wochenenden beschränkt – mit gravierenden Folgen für Beschäftigung, Wirtschaftlichkeit und Investitionssicherheit.
Positiv bewertet der VDVO hingegen die geplanten Flexibilisierungen der Arbeitszeitregelungen. „Die Möglichkeit einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit ist ein wichtiger und richtiger Schritt“, so Sänger. „Sowohl die Hospitality als auch Veranstalter sind auf flexible Modelle angewiesen, da Auf- und Abbauzeiten, Produktionsphasen und Veranstaltungsdurchführungen häufig außerhalb klassischer Arbeitszeiten liegen. Hier schafft die Strategie einen dringend benötigten Realitätsbezug.“
Ebenfalls ausdrücklich begrüßt der VDVO den klaren Fokus auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. „Die Veranstaltungswirtschaft ist ein Innovationsmotor. Durch den Einsatz von KI lassen sich Veranstaltungen nachhaltiger, effizienter und produktiver gestalten“, betont Sänger. Der VDVO habe diese Entwicklung früh erkannt und fördere unter anderem über seine Beteiligung am BeFuture-Programm gezielt Start-ups, die mit KI- und Nachhaltigkeitslösungen die Zukunft der Veranstaltungsbranche gestalten.
Der VDVO appelliert daher an die Bundesregierung, die Nationale Tourismusstrategie im weiteren Prozess um die Veranstaltungswirtschaft und die MICE-Branche explizit zu ergänzen – als eigenständigen Wirtschafts- und Innovationstreiber, als Beschäftigungsmotor und als strukturelles Rückgrat des Tourismusstandorts Deutschland.
„Wer die Zukunft des Tourismus sichern will, muss die Veranstaltungen mitdenken. Nicht am Rand – sondern im Zentrum der Strategie“, so Sänger abschließend.